Das verhunzte Bild

Das Leben eines Hobbyfotografen oder anders gesagt, „das verhunzte Bild?“.

Das technisch anspruchsvolle Bilder eine entsprechende Vorbereitung benötigen, leuchtet wahrscheinlich jedem ein. Dennoch ist der Weg und die Umstände, die zu dieser Aufnahme führen, ein Aspekt, den das Bild nicht immer wiedergeben kann. So, wie ich euch das in dieser Geschichte mit einem Augenzwinkern erzählen will.

Mein Ziel war es, in der Dunkelheit an einem Bahnübergang einen vorbeifahrenden Zug zu fotografieren. Sicher, man glaubt, alles kann man vorbereiten, nix kann schief gehen, doch die Realität zeigt, dass es sich eigentlich immer um Momentaufnahmen handelt, die nicht immer vorhersehbar sind.

Es ist der 28. Dezember, siegessicher begibt man sich nach draußen, es ist kalt und dunkel, aber egal, man hat sich ja vorbereitet und freut sich auf den Bahnübergang und den vorbeirauschenden Zug, den man ablichten will. Logisch, ein tolles Bild soll es werden, möglichst perfekt, Langzeitbelichtung mit Stativ und so. Um 18.50 Uhr am Bahnübergang sein, na klaaar, 20 Minuten Puffer hat man auch eingebaut, alles kein Problem, was also soll schief gehen?

Rein ins Auto und los. Kurze Zeit später angekommen, am Bahnübergang, den man sich tagsüber schon ausgeguckt hat, man steigt aus und dann… was ist das? Wo kommt plötzlich die Straßenlaterne her? Die macht doch hell. War die schon immer da? Na klar war die schon immer da, nur registriert hat man sie nicht. Und tagsüber hat die ja auch so wenig geleuchtet, wie sollte ich die auch sehen, mannmann.  Ok, was tun? Umhacken ist nicht, also, weiter hinten ist noch ein Bahnübergang, der hat keine Straßenlaterne, oder?

Rein ins Auto und los. Die Uhr tickt, der Puffer von 20 Minuten schrumpft gigantisch schnell dahin, er verpufft sozusagen. Der Stress steigt, man beschimpft schon andere Autofahrer, die fahren plötzlich alle so langsam und die Uhr läuft. Angekommen, keine Laterne, puuuh, Glück gehabt, alles schön dunkel rundherum. Schnell aussteigen, schließlich muss ich ja noch das Stativ aufbauen, die Uhr tickt, Stress, der Puls steigt. Wieviel Zeit hab ich noch? Noch 5 Minuten, super, das reicht ja dicke. Und schon geht die Schranke runter. Verflixt, keine Sekunde Verspätung hat der Bursche, oder kommt der jetzt sogar meinetwegen eher? Nun aber tempo. Die Kamera schnell ausgepackt, Stativ? Nein, keine Zeit mehr, schnell noch eine Probeaufnahme machen, joh, Kamera funzt,. Schnell noch den richtigen Standplatz ausgesucht, ha, es kann nichts mehr passieren, man hört den Zug schon kommen, das Auge am Sucher, man sieht die Lichter von links kommen, und…, im Augenwinkel auch von rechts? Hää? Was ist das? NEIN, da schiebt sich doch von rechts ein oller Peugeot in mein Sucherbild, hält ordnungsgemäß vor der Schranke an, genau in meinem Bildaufbau, von links rauscht der Zug heran und KLICK! Eine ewige Sekunde Belichtungszeit, mit dem Wissen, dass man neben dem vorbeirauschenden Zug auch das Heck dieser ollen Karre drauf hat.

Leere… kein Stress mehr, die Uhr hat aufgehört zu laufen, der Zug ist vorbei gerauscht, die Schranke geht hoch, der Peugeot verschwindet in der Nacht, es ist wieder stockdunkel und der nächste Zug kommt erst wieder in einer Stunde.

Wie Forrest Gump schon sagte, „das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, welche man bekommt“.

Gerhard Günther

Das verhunzte Bild